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Als der zehnjährige Liam – von seltsamen Blitzen und Klickgeräuschen gelockt – in den dichten Wald hinter der neuen Wohnung geht, entdeckt er einen verwahrlosten kleinen Jungen in einem Mädchenkleid, der nichts weiter bei sich hat als einen Fotoapparat und seine kaputte Hornbrille. Statt etwas von der Herkunft seiner neuen Bekanntschaft zu erfahren, erntet er nur wüste Beleidigungen von dem Waldbewohner, der mit der erwachsenen Menschheit abgeschlossen zu haben scheint. Trotzdem fühlt Liam sich zu dem blonden Lockenkopf mit den unzähligen Sommersprossen hingezogen und versorgt ihn in den folgenden Tagen heimlich mit Klamotten, Schokolade und Büchern. Der „kleine Löwe“ – wie er den Jungen mangels Namen und aufgrund seines Aussehens nennt – wird zutraulicher und Liam erfährt, dass er von zu Hause ausgerissen ist. Doch genau in dem Moment, als die beiden sich weiter befreunden können, hören sie die Polizeisirenen und werden voneinander getrennt.

Erst zehn Jahre später gibt es ein Wiedersehen. Als Liam seinen jüngeren Bruder zu einer kleinen Party begleitet, fällt ihm sofort ein Jugendlicher auf, der vorlaut und beleidigend die Gäste gegen sich aufbringt. Das scheint regelmäßig der Fall zu sein, denn dieser Nicholas ist vom Internat in Berlin geflogen und muss nun wieder in der Kleinstadt bei seiner Familie leben. Liam ist erschüttert, denn „sein“ kleiner Löwe ist mit dem Lockenkopf und den Sommersprossen so schön wie damals aber durch Drogen- und Alkoholkonsum ein richtiger „Arsch“ geworden.

Just in diesem Augenblick wechselt die Autorin den Blickwinkel und betrachtet im nächsten Kapitel die Welt aus den Augen von Nicholas. Der ist nämlich genauso enttäuscht von seinem ehemaligen Helden Liam, der sich in den vergangenen Jahren zu einem großen blassen Versager entwickelt zu haben scheint und als Bibliothekar den langweiligsten Beruf der Welt hat. Nicholas hat sich zum Start des letzten Schuljahres an der Erweiterten Oberschule (EOS) vorgenommen, noch vor Absolvierung des Abiturs so viel Chaos in der Stadt zu stiften wie möglich. Dazu legt er sich nicht nur mit Lehrern und Mitschülern an, sondern versucht auch in den Punks des Ortes reaktionäre Verbündete zu finden. Doch dies geht gewaltig schief, so dass einige seiner Mitstreiter in den Fängen des DDR-Staates verschwinden und teilweise erst Monate später wieder auftauchen.

Im weiteren Verlauf des Buches erfährt der Leser kapitelweise jeweils aus der Sicht von einem der beiden Protagonisten den Fortgang der Geschichte. Während Liam schnell Gefühle für den kleinen Löwen entwickelt und versucht, ihn wieder auf die richtige Bahn zu bekommen, gleitet der selbstzerstörerische Nicholas immer tiefer in den Schlamassel. Dabei sind seine Gefühle für Liam ebenso groß. Nicholas hab aber aus dunklen Erfahrungen aus der Vergangenheit gelernt und statt sich zu öffnen, versteckt er sich hinter Alkoholkonsum und unkontrollierten Schlägereien.

Die beiden Jungs entwickeln eine toxische Beziehung zwischen vielen Höhen und Tiefen. Nicholas konzentriert sich – neben Drogenkonsum, Streit mit Mitschülern und seinen alten Freunden aus Berlin – um eine Theateraufführung, die zum Ende des Schuljahres Premiere feiern soll. Er kapert die Leitung der Theater AG und will ein reaktionäres Stück inszenieren. Liam soll mit seinem großen Talent am Klavier als Gast dabei sein – so laufen sich beide auch während ihrer Beziehungstiefen immer wieder über den Weg.

Viele Fragen werden im Laufe der über 500 Seiten beantwortet: Warum war der kleine Löwe damals im Wald und was hatte es mit seiner eigenartigen Kleidung auf sich? Welche Fotos waren auf dem Film in der Kamera? Was hat es mit der seltsamen Vermieterin von Liam auf sich und warum haben beide Hauptfiguren tiefgründige Probleme mit ihren Eltern und Geschwistern? Schließlich verbinden sich alle Stränge zum großen Finale…

Cover Lauf, kleiner Löwe

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